Neoperl für den "Europäischen Erfinderpreis" nominiert

10. April 2010
Neoperl ist auf diesem Gebiet Weltmarktführer: Die Firma ist jetzt für den "Europäischen Erfinderpreis" nominiert.

Zu Hause wirkt er unscheinbar, jedenfalls alltäglich, und doch ist der Strahlregler, der dem Wasser aus dem Wasserhahn Form gibt, ein Produkt intelligenter Entwicklung. Die Firma Neoperl, Marktführer auf dem Gebiet des gebändigten Trinkwasserflusses, ist für die neueste Variante sogar nominiert worden für den "Europäischen Erfinderpreis", der vom Europäischen Patentamt und der EU-Kommission ausgelobt wird.


Die Produkt heißen Cascade, Caché oder Perlator, wobei der Perlator oft auch irrtümlich als Synonym für den Strahlregler benutzt wird. Hinter diesem "Siebchen", wie er auch genannt wird, steckt viel Erfindergeist. Bei der Firma Neoperl ist solcher vorhanden, wie die Nominierung zum "Europäischen Erfinderpreis" unterstreicht.

Der Strahlregler von heute ist ein komplexes System an Bauteilen und mit zahlreichen Patenten ausgestattet. Das machte das Müllheimer Unternehmen Neoperl bereits vor vielen Jahren zum Weltmarktführer. Mit Durchflussminderern, speziellen Armaturschläuchen und einigen Dingen mehr, die zum Umgang mit Trinkwasser in den Haushalten gebraucht werden, seien es heute annähernd 200 Patente, freut sich Geschäftsführer Fabian Wildfang. Dass nun die Weiterentwicklung des Strahlreglers zu einer Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis geführt hat, habe Firmenleitung und Mitarbeiter doch angenehm überrascht, stellt er fest.

Verantwortlich für den Erfolg zeichnen der Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, Christoph Weis, und sein Stellvertreter Hermann Grether – als Entwicklungsingenieure seit 15 Jahren beziehungsweise seit 34 Jahren in der Firma beschäftigt.

Was steckt hinter diesem Teil, das aus mehreren Sieben, einer Dichtung und einem Mundstück aus verchromtem Messing besteht und eigentlich "nur" für einen regelmäßigen Wasseraustritt am Wasserhahn sorgen soll? Die Ansprüche, die die beiden Entwickler und ihr 28-köpfiges Team an den Strahlregler haben, sind sehr hoch. Optisch schön soll er sein, nicht spritzen soll er, sondern als weicher Strahl den Hahn verlassen, beim Berühren angenehm auf der Haut prickeln und dabei durch eine raffinierte Volumenerhöhung den Wasserverbrauch mindern. Das alles muss auf kleinem Raum geschehen und sich auch noch in die verschiedenen Wasserhahnformate weltbekannter Hersteller einfügen. Es sei eine große Herausforderung, der sich Neoperl seit Jahrzehnten als Marktführer stelle und dabei den Strahlregler stetig weiterentwickle, erklärt Christoph Weis.

Vereinfacht funktioniert ein Strahlregler folgendermaßen: Er zerlegt das ankommende Wasser in kleine Einzelstrahlen, beschleunigt diese, damit sie Luft ansaugen und das Volumen vergrößern können. Vor dem Austritt aus dem Wasserhahn wird das Wasser-Luft-Gemisch schlagartig auf kürzester Distanz noch innerhalb des Reglers abgebremst, damit es voluminös und weich austritt.

Mit einem Strahlregler wird weniger Wasser verbraucht
"Das ist besonders beim Wassersparen wichtig", erklärt Weis. Es erlaube dem Hersteller, durch Feinabstimmungen und den Austausch von Teilen auf unterschiedliche Normen weltweit zu reagieren. Ohne Strahlregler würden bei den in Deutschland geltenden durchschnittlichen Druckverhältnissen im Trinkwasserleitungssystem etwa 15 Liter pro Minute aus dem Wasserhahn laufen. Mit Strahlregler vermindere sich die Menge auf fünf bis sechs Liter – "zum Händewaschen ist das völlig ausreichend". Ein weiteres Merkmal des modernen Strahlreglers: Er erzeugt keine Leitungsgeräusche. Die neueste Technik, die zur Patentanmeldung beim Europäischen Patentamt eingereicht wurde und zur Nominierung für den Erfinderpreis geführt hat, sei keine Revolution, sondern eher eine Evolution, so Entwicklungsleiter Weis. Und doch revolutioniert es die Produktion innerhalb der Neoperl-Gruppe, die jährlich weit mehr als 100 Millionen Stück herstellt: Metallene Siebe werden durch filigran hergestellte Kunststoffteile ersetzt, die innerhalb der Konstruktion wesentlich genauer ausgerichtet werden können und die mit weniger Teilen die gewohnte Wasseraufbereitung erzeugen. Neben einer geringen Einsparung bei den Bauteilen liegt nach Ausführung von Hermann Grether der Vorteil in der großen Variantenvielfalt bei der Steuerung der Durchflussmengen je nach Vorgaben der jeweiligen Exportländer. "Mit dieser modularen Bauweise können wir schnell auf unterschiedliche Anforderungen und Normen reagieren", ergänzt Weis. Und noch ein Vorteil: Weniger Teile beugten der Verkalkung länger vor und seien dadurch langlebiger und besser zu reinigen.

Und wer heute sagt, er kenne die Produkte von Neoperl in Müllheim nicht, sollte einfach mal das Siebchen am Wasserhahn herausdrehen. In den meisten Fällen ziert der Name des Unternehmens die Fassung des Strahlreglers – zumindest wenn es sich um den Strahlregler einer Markenarmatur handelt.

Quelle: badische-zeitung.de:"Neoperl für den "Europäischen Erfinderpreis" nominiert" vom 10. April 2010